Leerer Theatersaal mit roten Sitzreihen und geschlossenem Bühnenvorhang, gesehen vom ersten Rang

Theaterabo, Restkarte oder Premiere? Ein Wegweiser durch die neue Spielzeit

Im Herbst liegen sie wieder überall aus, die dicken Spielzeithefte. Die meisten Stadt- und Staatstheater sind gerade in die neue Saison gestartet, die ersten Premieren sind gelaufen, und für die Wochen vor Weihnachten läuft der Vorverkauf. Wer dieses Jahr häufiger ins Theater will, steht vor einer alten Frage: fest binden oder spontan bleiben?

Das Abo: feste Bindung mit Vorteilen

Das klassische Abonnement ist aus der Mode gekommen, zu Unrecht. Man hat einen festen Platz, einen festen Wochentag und muss sich um nichts kümmern. Viele Häuser geben auf Abo-Plätze einen Nachlass gegenüber dem Einzelkartenpreis, wie hoch der ausfällt, steht im jeweiligen Spielzeitheft.

Der eigentliche Wert liegt aber woanders. Wer ein Abo hat, sieht auch Stücke, die er sich selbst nie ausgesucht hätte. Aus diesen Abenden werden erstaunlich oft die, von denen man später noch erzählt. Wer sich nicht festlegen will, sollte nach einem Wahl-Abo fragen. Dabei kauft man ein Kontingent an Vorstellungen und sucht sich Termine und Stücke selbst aus.

Einzelkarten mit Überlegung kaufen

Bei Einzelkarten lohnt sich ein genauer Blick auf den Termin. Premieren haben ihren eigenen Reiz, sind aber schnell vergriffen und oft teurer. Nach einigen Vorstellungen hat sich das Ensemble eingespielt, die Abläufe sitzen, manche Szene ist gegenüber der Premiere sogar noch geschärft worden. Vorstellungen unter der Woche sind in der Regel leichter zu bekommen als der Samstagabend.

Beim Platz entscheidet der Saalplan. Das Parkett ganz vorne ist nah dran, aber man schaut nach oben und verliert den Überblick über das Bühnenbild. Der erste Rang bietet bei Choreografien und großen Ensembleszenen oft den besseren Blick. Seitenplätze sind günstiger, dafür fehlt manchmal ein Stück der Bühne. Viele Theater kennzeichnen Plätze mit eingeschränkter Sicht, ein Blick darauf erspart Ärger.

Restkarten und Abendkasse

Ausverkauft heißt im Theater selten wirklich ausverkauft. Abonnenten tauschen, Gruppen geben Karten zurück, reservierte Kontingente werden frei. Wer flexibel ist, fragt am Vorstellungstag direkt an der Kasse nach oder lässt sich auf eine Warteliste setzen, sofern das Haus so etwas anbietet. Schüler, Studierende und Auszubildende bekommen vielerorts Ermäßigungen, teilweise auch kurzfristige Restkarten zu einem festen, niedrigen Preis. Die Bedingungen unterscheiden sich von Haus zu Haus, nachfragen kostet nichts.

Was der Herbst besonders gut kann

Die dunkle Jahreszeit ist die Zeit für die kleinen Spielstätten. Studiobühne, Kammerspiele, Probebühne: Hier sitzt man manchmal nur wenige Meter von den Schauspielern entfernt, und genau das ist der Grund, warum man überhaupt ins Theater geht und nicht vor dem Fernseher sitzen bleibt. Man hört den Atem, sieht den Schweiß, spürt die Pausen.

Viele Häuser bieten vor der Vorstellung eine kurze Einführung an und nach der Vorstellung ein Publikumsgespräch. Beides ist meist kostenlos und lohnt sich besonders bei neuen Stücken oder ungewohnten Inszenierungen. Man geht mit anderen Augen in den Saal.

Wer Kinder hat, sollte jetzt an das Weihnachtsmärchen denken. Die Vormittagsvorstellungen sind oft durch Schulklassen belegt, für die Wochenenden im Dezember wird es früh eng. Dasselbe gilt für Silvestervorstellungen, die an vielen Häusern zu den ersten Terminen gehören, die komplett weg sind.

Und noch ein Rat, der nichts kostet: Einmal im Jahr ein Stück sehen, das man überhaupt nicht kennt, ohne vorher Kritiken zu lesen. Einfach hingehen, hinsetzen, abwarten, was passiert. Das Theater kann dann zeigen, was es am besten kann.